S500-2006

13.5.2021

Seit heute ist mein "Mercedeswahn" auf ein neues Niveau gehoben.

Ich habe mir eine S-Klasse zugelegt, von der ich mir erhoffe, dass diese mich noch ein paar Jahre sanft durch die Gegend fährt. Ich bin mir bewußt, dass ich an diesem Auto nicht, wie beim 124er, alles selber "erschrauben" kann, sondern im Zweifelsfall auf begabte Fachwerkstätten angewiesen bin und so manche Ersatzteile richtig Geld kosten, ganz zu schweigen von den Arbeitskosten.

Aus diesem Grund viel die Wahl auf einen recht unverbrauchten W221 S500, der mit unter 78600 km daher kommt und bei MB Checkheftgepflegt wurde.

Zudem sind Zusatzausstattungen kaum zu finden und ärgerliche, teure Reparaturen dazu nicht notwendig. Der Rest des Komfort-Gedöns der S-Klasse ist und bleibt natürlich ein Fall für die Diagnosesoftware und den Geldbeutel.

Das Fahrzeug steht auf guter Bereifung, alles am Fahrzeug ist im Originalzustand (was bei dieser Serie häufig nicht der mehr der Fall ist) und alles funktioniert soweit. Ein Problem bahnt sich an der Vorderachse an, die beim Überfahren von Bodenwellen (verkehrsberuhigte Schweller z.B) ein Knarzen von sich gibt, dass es einen schaudert. Gefühlt kommt aus der Richtung "unter dem Armaturenbrett". In normalen Fahrbedingungen ist nichts zu hören. Ich denke nicht an Achsprobleme - auch Stoßdämpfer schließe ich aus, tendiere eher zu Teilen, die mit "Motoraufhängung" zu tun haben.

Ich werde berichten - zunächst genieße ich mal herrliche Ruhe beim Fahren und freue mich, dass der Benzinverbrauch dabei mit unter 11 Litern sehr anständig ist.

Erste Eindrücke

Status nach den ersten Kilometern

Nun liegen rund 150 Kilometer "Testfahrt" hinter mir.

Alles in Allem macht der Benz einen guten Eindruck.

Optisch sieht man ihm sein Alter nicht an. Es gibt keinerlei Abnutzungserscheinungen, ja, man könnte sagen, er hat "Null" Gebrauchsspuren.

Technisch ist er mit etwa 79000 km auf dem Zähler, ein eher selten anzutreffendes Exemplar, denn die S-Klasse ist und war damals schon als "Langstrecken-Sänfte" geplant und meist auch so genutzt worden. Eine S-Klasse aus 2006 mit original (und mit Checkheft belegten) 79tsd. km, ist eher rar - will sagen, so gut wie kaum zu finden. Das sind theoretisch etwa kaum zu glaubende 5000 km Fahrleistung pro Jahr...

Positiv fällt der Benzinverbrauch auf, der mit moderat gefahrenen Mix aus Autobahn, Stadt und Land bei etwa 10,7 Litern auf 100km darstellt. Das lässt darauf schließen, dass er auf eine Langstrecke - z.B. bei 130 in Frankreich - eine 9 vor dem Komma hat und somit die Reichweite auf knapp 1000 km mit einem Tank zu sehen ist. Das ist für 5,5 Liter Hubraum sehr erträglich.

Dennoch, es gibt Handlungsbedarf.

Das Auslesen (Gesamtabfrage) ergab einige, wenn auch nicht sehr viele Fehler. Danach alle Fehler gelöscht und 1 Tag später, nach etwa 80 Kilometern , erneut ausgelesen. Was kommt wieder?

Zum Einen sind im "Komfort-Bereich" diverse Stromkreise fehlerhaft (von Schalterbeleuchtung Tür hinten links, bis zu einer Fehlermeldung DTC D955, bei deren Bedeutung der Zusatz steht = kein Fehler, Fehlercode ohne Bedeutung ...)

Eine Meldung (undefinierbar) von der Klimaanlage (die aber geht).

Wichtige sind ODB Meldungen aus dem Motorbereich.

Auslassnockenwelle Bank2 übermäßige Spätverstellung P0025 und Regelabweichung zwischen Soll- und Istwert.

Ausdruck erstellt, alle Fehler wieder rausgelöscht und los geht's...

20.5.2021 Der 1. Werkstatt-Termin

4 Nockenwellen-Stellmagnete + 4 Nockenwellen Sensoren erneuert.

Nach dem erneuten Auslesen treffe ich die Entscheidung, die typischen Kandidaten für die Fehlermeldungen auszutauschen. Weil man nicht alles auf einmal machen sollte (woran lag es dann?) beginne ich mit den Stellmagnete der Nockenwellenversteller. Davon hat der S500 4 Stück und die Kosten liegen bei 30-40 Euro pro Stück für ein Qualitätsteil.

Beim Wechseln fällt auf, dass 2 dieser Magnete leichte Ölspuren im Steckerbereich haben. Dieses Problem entsteht, wenn die "gealterten" Kunststoffteile" Haarrisse bekommen und Öl "durchgedrückt wird". Im ungünstigen Fall - wenn man nichts dagegen tut, wandert das Öl in den Kabeln bis zum Steuergerät - und das wäre nicht gut. Also alle 4 ausgetauscht... (160 Euro plus Arbeit)

Die im Anschluss durchgeführte Diagnose brachte keine positiver Veränderung.

Nun werden die Nockenwellensensoren zuerst einmal untereinander getauscht (davon hat der S500 auch 4 Stck.), um zu sehen, ob der Fehler "mitwandert".

Beim Tauschen fallen auch hier ölige Stecker auf, die gereinigt und ausgeblasen werden, dann an anderer Position wieder eingebaut werden.

Nach einer weiteren Diagnose: Keine Fehler im Motor!

Aha, also hat die Reinigung der verölten Stecker offensichtlich etwas Gutes getan... Allerdings weist auch hier der Öldurchtritt auf einen möglichen Haarriss des betroffenen Sensors hin.

Ich beschließe, auch hier alle 4 Sensoren zu erneuern, weil ich nicht weiß, wann der nächste durch Alterung seinen Geist aufgibt. Also alle 4 wechseln (Bosch natürlich). Die Kosten für 1 Sensor liegen bei 35 Euro Stck. (140 Euro Plus Arbeit)

Mit dieser Maßnahme sollte die Motorleuchte nun aus bleiben. Falls sie doch wieder angehen sollte, kommen als nächste (kostspieligere Reparatur) die Nockenwellensteller selbst in Frage... danach das untere Kettenrad, Kette, Gleitschienen, etc... das ganze Programm. Wollen wir mal NICHT hoffen - ich bete...

Batterie für Versorgungsspannung:

Die hat der S500 in diesem Baujahr im Kofferraum. Diverse Fehler in der Komfortelektrik veranlassen mich, die Batterie prüfen zu lassen. Die Sollstärke von 600Ampere leistet die Batterie nicht mehr, kommt gerade mal auf 400... Ich beschließe den Austausch (180 Euro plus Arbeit).

Erneutes Auslesen nach Batterietausch lässt etliche Fehler im Stromkreis verschwinden, übrig bleiben Kleinigkeiten, um die ich mich später kümmere.

21.5.2021 Der 1. Tausender

Bislang habe ich etwa 1200 Euro investiert, rechnet man die Arbeitszeit und das mehrfache Auslesen dazu. Zugegeben, es wäre auch ohne Musik gegangen...

Ach ja, eine Innenreinigung habe ich ebenfalls machen lassen, mit dem Ziel, den Mercedes Geruch zu neutralisieren. Diverse Baureichen dieser Baujahre (zwischen 2003 und 2010) entwickeln nach geraumer Zeit im Innenbereich einen Geruch, der für Einige "unerträglich" ist. Ich habe diesen Geruch bereits in etlichen Autos (E-Klasse, S-Klasse,CLK, etc) feststellen können. Er lässt sich auch schwer beschreiben... in jedem Fall für meine Nase unangenehm. Nach Hochdruck-Innenreinigung und Ozonbehandlung wurde Parfümöl vom Amouage (30ml für 300 Euro) in alle Filter verteilt. Das Problem ist nun behoben - mal sehen, wie lange es so (derzeit sehr angenehm) bleibt.

Mal sehen, wie lange der Wagen nun ohne weitere Investitionen durch hält.

23.5.2021 Musik streamen?

32 GB Musik im Soundsystem

Auch mit der eigenen Musik hat es das Comand 3 nicht wirklich. Streaming kann man zwar realisieren, aber ich entscheide mich, den vorhandenen PCMCIA-Einschub zu verwenden. Als Adapter beschafft, 32 GB Karte rein und 4000 Lieder im MP3 Format auf die eingesteckte CF Card kopiert. Das sollte reichen ... (Kosten 50 Euro).

24.5.2021 - Modernisierung

Bluetoothmodul + Ladepad nachgerüstet

Bluetooth Telefonie im W221 + kontaktfreie Handyaufladung

Es ist dem Baujahr geschuldet, dass das Comand-System 3 keine Mobiltelefone so erkennt, dass man das Ding in der Tasche haben kann und übers Bordnetz telefoniert. Abhilfe schafft ein Bluetoot-Craddle, welches in der Mittelkonsole eingeklickt wird, nachdem die alte Handyschale abgenommen wurde. Kurzes Pairing, zack, alles im Comand System, inkl. Adressbuch, SMS, und sonstiges Samsung/Androit Zeugs... (Kosten 230 Euro)

Wenn schon Komfort, dann auch aktuelle Technik. Neben dem Bluetooth-Telefoniemodul, dass bestens funktioniert, habe ich heute eine kontaktlose Ladeeinrichtung fürs Handy in der Mittelkonsole (im oberen Fach) verbaut.

Dazu habe ich zuerst einmal Platz geschaffen, indem ich das Bluetooth-Modul, welches auf die dafür vorgesehene Clip aufgesteckt wurde, in der Ablage um 180 Grad gedreht habe. Dadurch entsteht hinter dem Modul genügend Platz, um die Induktionseinheit zu verbauen. Strom ist nicht weit - er liegt in der Konsole hinten, dort wo die Fondpassagiere Stromabnehmer anschließen können.

Kosten 100 Euro (man könnte es auch für die Hälfte realisieren, aber ich habe ein System verbaut, welches normalerweise in der neuen E-Klasse zum Einsatz kommt).

29.5.2021 Comand Failure

Die Nachrüstarbeit und die angesprochenen Motorsteuerungselemente sind nun verbaut und alles funktioniert, wie es soll.

zur Abwechselung jetzt mal Audio-Probleme...

Bei den Arbeiten im Innenraum passierte es, dass plötzlich das Comand3 keine Radiosender mehr anzeigte, die Navigation unbrauchbar war und keine mp3 abspielbar waren. Nanu? Was ist das?.

Ein Blick ins Internet...: Natürlich war ich nicht alleine... Berichte von solchen Ausfällen gab es viele.

Ich konnte das Thema reproduzieren und fand auch eine Möglichkeit, das Problem zu beherrschen: Schlüssel abziehen, aussteigen, abschließen und 15 Minuten warten. Danach geht alles wieder (wahrscheinlich passiert das, wenn das Comand nicht sauber herunter fährt). Endgültige Abhilfe schafft wohl nur ein Update der Comand Firmware, bei dem es auch einige Bugs beseitigt wurden. Danach neue Karten drauf und die Sache sollte laufen. Wenn man darüber hinaus aufrüsten möchte, gibt es auch Androit Systeme, die anstelle des Comand, ink. HD-Touchscreen in Farbe, verbaut werden können. Ob die etwas tauchen? Ich werde das prüfen.

Die Borduhr - Zeit, Datum Zeitzone:

Die analoge Borduhr wird ebenfalls vom Comand gesteuert. Dumm nur, dass sie 1 Stunde nach ging. Das hat zur Folge, dass auch bei Navigation, die Restzeitangaben falsch berechnet werden. Datum stand auf 2003 und das Ganze ließ sich nicht einstellen... Auch hier hilft das Internet - etwa so: Über Nacht abgeschlossen stehen lassen. Dann einsteigen und innerhalb von 2 Minuten die Zeit einstellen, sowie als Zeitzone "Dänemark" auswählen. Bestätigen, Schlüssel abziehen, aussteigen, abschließen. Am Folgetag einsteigen, innerhalb von 2 Minuten die Zeitzone auf "Deutschland" umstellen und "automatische Zeitanpassung" aktivieren. Aussteigen, abschließen.

Nun zeigt es die korrekte Zeit an und die Navigationszeit wird korrekt berechnet (Ankunftzeit, etc). Das Datum steht nach wie vor nicht korrekt, jedoch hat das keine Auswirkungen (vielleicht bei Assyst, aber das kann man vernachlässigen).

Fazit: Die Programmierer der Comand Software waren offensichtlich damals überbezahlt und unfähig (das gilt auch für andere Comand Systeme).

4.6.2021 Blinkertausch

Spiegelblinker rechts

Einer meiner Vorgänger hatte Feindkontakt mit dem rechten Außenspiegel und dabei ist der, im rechten Spiegel eingelassene Blinker gebrochen - ein Stück Plastik fehlte, die LED lagen im Freien ...

Wer mich kennt, weiß, dass so etwas nicht so bleiben kann. Also Originalteil besorgt (40 Euro), den Spiegel zerlegt und defektes Teil ausgetauscht. Bei der Gelegenheit alle Anschlüsse im Spiegel kontrolliert und gereinigt, bewegliche Teile geschmiert.

Jetzt blinkt es wieder im Trockenen.

11.6.2021 Update Comand System

Das Comandsystem NTG3 von 2006 ist nicht das Zuverlässigste (siehe oben). Auch gab es Softwarebugs in verschiedenen Bereichen (Radio, Navi, etc).

Ich weiß, dass es dazu updates gab. Also hin zum Freundlichen und nachgefragt. Wenn man dort als "S-Klasse-Besitzer" ausgibt, scheint es so, als greife man in eine andere Schublade - zumindest, was die Preisliste betrifft. Ergebnis: 10AWs für das Einstecken des ODBC Steckers und das Ablesen des Ergebnisses auf dem Bildschirm.... Also prüfen, welche Software drauf ist und welche updates in Frage kommen ... 150Euro. Danach die updates selbst, ganz zu schweigen von einem Navikarten-Update... Zusammen würde das wohl beim Freundlichen mit 400 Euro berechnet. Ich verabschiede mich freundlich.

Meine Entscheidung: Ich besuche meine Tochter in Stuttgart und verbinde das mit dem Besuch eines alten Bekannten, der nicht nur die aktuelle Star-Diagnose hat, sondern auch damit umgehen kann.

Er bringt das Comand auf den neusten Stand (inkl. Navikarten) und ganz nebenbei beseitigt er die in der Diagnose stehenden Komfort-Fehler der Türsteuergeräte. Er spielt dazu das update ein, welches all diejenigen bekommen, deren Fensterheber früher oder später versagen (ein bekanntes Problem).

Danach sind alle Fehler der Komfortsteuerung, die vorher im Bericht standen, nicht mehr vorhanden.

Auf ein vorhandenes Getriebe-Update verzichte ich, denn es gibt bislang keine Probleme (never touch a running system). Die Kosten für alle Aktionen zusammen: 150Euro

Ach ja... man kann den 5,5 Liter Benz tatsächlich unter 9 Liter auf 100km betreiben. Zugegeben, die Geschwindigkeitsbegrenzungen ließen kein Gasfuß zu und mehr als 140 bin ich nicht gefahren aber das Ergebnis hat mich schon erstaunt.